Dunkler Winter – Depressionen durch zu wenig Tageslicht?

Alles grau – das kam so manchem in den Sinn, wenn er diesen Winter gen Himmel blickte. In westlichen Regionen Deutschlands erhellte die Sonne im ganzen Dezember gerade mal für fünf Stunden unser Gemüt. Womit wir beim Thema wären. Denn fehlender Sonnenschein verhagelt nicht nur die Stimmung – er kann sogar für Depressionen sorgen. Wen der Winterblues erwischt, der leidet an Antriebslosigkeit und wird von Melancholie und Traurigkeit erfasst. Doch warum ist das so?

Laut Umfragen des Forsa-Instituts leidet jeder Vierte hierzulande an einer saisonal bedingten Winterdepression. Medizinisch gesehen ist das keine echte Depression. Wir sprechen hier eher von einer depressiven Verstimmung, die mit Beginn der hellen Jahreszeit wieder verschwindet. Trotzdem ist sie mit ähnlichen Symptomen verbunden. Betroffene leiden unter Angstgefühlen und Heißhungerattacken, fühlen sich freudlos und schlapp und können dem Tag oft wenig Positives abgewinnen. Da fällt so manchem das Aufstehen schwer.

Sonne strahlt durch grauen Nebel

Organismus im Winterschlaf

Zugegebenermaßen ist es nicht leicht aus dem Bett zu kommen, wenn am Morgen wieder der gleiche graue Himmel wie tags zuvor auf uns wartet. Doch dieses Phänomen hat auch mit einem erhöhten Schlafbedürfnis zu tun, das durch lange Nächte und wenig Tageslicht bedingt ist. Unser Gehirn reagiert auf den Lichtmangel mit vermehrter Ausschüttung von Melatonin. Der Botenstoff ist als Schlafhormon bekannt, denn er bestimmt den Tag-Nacht-Rhythmus wesentlich mit.

Uns überfällt also eine organisch bedingte Art Winterschlaf. Der Organismus wird heruntergefahren – wir verfallen in Lethargie und Antriebslosigkeit. Doch das ist nicht alles. Parallel dazu sinkt die Produktion des Neurotransmitters Serotonin, der als Stimmungsaufheller gilt. Fehlt dieser Botenstoff, treten Angstgefühle und Traurigkeit auf. Eine fatale Kombination. Nicht umsonst sind die Ambulanzen psychiatrischer Kliniken in der dunklen Jahreszeit gut gefüllt – denn die Suizidgefahr wächst.

Darüber hinaus kann es im Winter auch zu Vitamin D-Mangel kommen: Dieses Vitamin ist für den Körper lebensnotwendig, und wir nehmen nur einen minimalen Teil des Bedarfs durch die Nahrung auf. Die wichtigste Arbeit leisten Sonnenstrahlen auf der Haut. Bislang wurde zwar noch kein Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und Depressionen hergestellt, doch der Mangel kann andere Erkrankungen, beispielsweise des Herz-Kreislauf-Systems, begünstigen.

Studie belegt aber: Auch zu viel Licht macht depressiv

Doch nicht nur ein Zuwenig, sondern auch ein Zuviel an Sonne kann Depressionen begünstigen. Das mag überraschen – verbinden wir doch Sonne mit Wohlbefinden. Dass dies auch anders sein kann, zeigt eine Studie des schwedischen Karolinska-Instituts. Die Studie untersuchte die Selbstmordzahlen in Grönland saisonabhängig. Sie ergab eine Häufung der Suizide in den Sommermonaten – also dann, wenn die Sonne nie hinter dem Horizont verschwindet.

Die Wissenschaftler führten das auf einen hohen Serotoninspiegel zurück, der durch die stetige Helligkeit entsteht. Zwar wirke der Botenstoff eigentlich stimmungsaufhellend, doch in großen Mengen führe Serotonin zu Schlafmangel und Unruhe. Es mache außerdem unausgeglichen und aggressiv – so die Forscher.

Tun Sie etwas gegen den Lichtmangel!

Doch zurück in unsere Breitengrade. Zwar können wir nichts gegen graue Wintertage, sehr wohl aber etwas gegen depressive Verstimmungen tun. Schon eine Stunde im Freien versorgt den Körper mit mehr Tageslicht als ein ganzer Tag in Innenräumen – auch bei bedecktem Himmel. Also nichts wie raus an die frische Luft! Hilfreich gegen den Winterblues sind auch spezielle Tageslichtlampen, die sehr helles Licht abstrahlen und so dunklen Gedanken Paroli bieten.

Ähnliches gilt für den frühen Morgen. Viele Arbeitnehmer müssen morgens in dunkelster Finsternis aufstehen – gefühlt also mitten in der Nacht. Hier helfen Aufwachlichter und Lichtwecker weiter, die morgens langsam immer heller werden. Wenn der Wecker klingelt, ist das Schlafzimmer schon hell in einem warmen Licht erleuchtet und im Optimalfall hat sich Ihr Körper schon an das Licht gewöhnt. So fällt das Aufstehen nicht so schwer.

Außerdem haben wir Grund für Optimismus: Auf jeden Winter folgt der Frühling, und Mitte Februar werden die Tage schon wieder spürbar länger.


von Die Redaktion. 17.02.2018


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