Einsamkeit – Gift für die Gesundheit!

Einsamkeit ist ein Thema, das in unserer Gesellschaft immer relevanter wird. Nach einer 2017 durchgeführten repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Splendid Research fühlt sich jeder achte Bundesbürger dauerhaft einsam – Tendenz steigend. Die zunehmende Vereinsamung ist nicht nur ein gesellschaftliches Problem. Wie neueste Studien zeigen, macht Einsamkeit auch krank.

Sich ab und an mal einsam zu fühlen gehört zum Leben dazu. Ereignisse wie Trennungen, Trauerfälle, der Verlust des Jobs und andere einschneidende Veränderungen lösen häufig ein Gefühl des Verlassenseins aus. Solange Betroffene Strategien zur Bewältigung schwieriger Lebensphasen entwickeln, gibt es keinen Anlass zur Sorge. Doch wenn das Gefühl der Einsamkeit zum Dauerzustand wird, bleibt das nicht ohne Folgen. Es drohen der Verlust von Selbstvertrauen und soziale Isolierung.

Weitverbreitetes Phänomen

Organisationen wie das Rote Kreuz schlagen Alarm und sprechen bereits von einer Epidemie. Denn Einsamkeit ist für viele Millionen Menschen in diesem Land bittere Realität. Und sie betrifft keineswegs nur Rentner oder Menschen aus einkommensschwachen Schichten, die es sich schlichtweg nicht leisten können, am sozialen Leben teilzunehmen. Die Einsamkeit ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Einsamkeit beeinträchtigt die Gesundheit

Studie zeigt: Vereinsamung lässt nicht nur die Seele trauern

Es ist keine neue Erkenntnis, dass die Psyche den Gesundheitszustand beeinflusst. Nun zeigen Studien einmal mehr, dass Körper und Seele eine untrennbare Einheit sind. Die University of York hat genau diesen Zusammenhang untersucht. Die Zusammenschau von 23 Einzelstudien mit insgesamt 180.000 Teilnehmern zeigt erstaunliche Ergebnisse. Die in der Zeitschrift Heart veröffentlichte Meta-Analyse belegt, dass Einsamkeit das Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen deutlich erhöht. So erlitten Probanden mit fehlenden sozialen Kontakten 29 % mehr Herzinfarkte und 32 % mehr Schlaganfälle als die Testpersonen einer sozial integrierten Vergleichsgruppe. Die Auswirkungen auf die Gesundheit machten dabei keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern – Frauen und Männer waren in gleichem Maße betroffen. Abgesehen davon steht psychischer Stress durch Einsamkeit schon lange im Verdacht, das Immunsystem zu schwächen und den Blutdruck in die Höhe zu treiben.

Damit zeigt sich, dass Einsamkeit dieselben desaströsen Folgen haben kann wie beruflicher Stress, Angstzustände oder Depressionen. Offenbar gilt generell: Was Auswirkungen auf unsere Psyche hat, hat auch Auswirkungen auf unsere Gesundheit.

Hoffnungsvolle Ansätze im Kampf gegen die Vereinsamung

Doch wie der zunehmenden Einsamkeit entgegenwirken? Privatinitiativen wie der Verein Silbernetz wollen dem Dilemma nicht länger zusehen. Sie starteten in Berlin ein Pilotprojekt für eine kostenlose Senioren-Hotline. Das Projekt richtet sich an einsame und isoliert lebende Menschen, die sich weder bei Telefonseelsorge noch Krisendienst gut aufgehoben fühlen und einfach nur reden möchten. Der Service wurde von den Senioren überraschend gut angenommen. Allein zwischen Weihnachten und Neujahr griffen 240 einsame ältere Menschen zum Telefonhörer und nutzen die Gelegenheit für ein ausführliches Gespräch. Verläuft die Testphase erfolgreich, will der Verein das Sorgentelefon dauerhaft anbieten. Allerdings ist das Projekt derzeit noch auf Sponsoren angewiesen.

Die Initiative ist nicht neu. Sie orientiert sich an einem ähnlichen Service in Großbritannien. Wie dramatisch die Situation auf der Insel ist, zeigt sich in einer ungewöhnlichen Maßnahme. Die amtierende Regierungschefin Theresa May ernannte vor Kurzem eine „Ministerin für Einsamkeit“, die sich um die Belange vereinsamter Briten kümmern soll.

Auch Hamburg hat sich was einfallen lassen, um einsame Menschen aus ihrer Isolation zu holen. Im Gegensatz zu den zuvor vorgestellten Projekten überlässt die Stadtverwaltung die Initiative nicht den Betroffenen, sondern geht selbst auf die Senioren zu. Der Hamburger Senat nimmt runde Geburtstage zum Anlass, konkrete Hilfe anzubieten. Das Glückwunschschreiben enthält neben Informationsmaterial einen Terminvorschlag für den Hausbesuch eines Mitarbeiters – ein durchaus nachahmenswertes Projekt.

Selbst aus der Abwärtsspirale ausbrechen

Doch auch Betroffene selbst können viel tun, um den Teufelskreis aus Einsamkeit, Verlust von Selbstvertrauen und sozialer Isolation zu durchbrechen. Sicher kostet es Überwindung, den ersten Schritt zu tun und aktiv zu werden. Doch gibt es unzählige Möglichkeiten, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten – ob es ein Seniorentreffen der Gemeinde, der Besuch eines Kurses oder einer Veranstaltung ist.

Soziale Medien sind keineswegs der jüngeren Generation vorbehalten. Gerade wer nicht mehr mobil ist, kann davon profitieren. Es muss nicht unbedingt Facebook & Co sein, um sich im Internet mit Gleichgesinnten auszutauschenZahlreiche Portale und Foren richten sich inzwischen gezielt an ältere Menschen. Nicht selten entstehen aus dem digitalen Austausch auch Freundschaften im wahren Leben – einen Versuch ist es allemal wert!


von Die Redaktion. 25.01.2018


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