Drogensucht

Drogensucht kann sowohl bei illegalen Drogen (z.B. Heroin, Kokain) als auch bei sogenannten legalen Drogen (z.B. Tabak, Alkohol) auftreten. In diesem Artikel lesen Sie von der Drogenabhängigkeit von illegalen Drogen, die oftmals mit dem Begriff Drogen gleichgesetzt werden.

Drogenabhängigkeit bei Opiaten

Zu den Opiaten gehören Morphin, Heroin und Morphinabkömmlinge, die als starke Schmerzmittel eingesetzt werden (z.B. Tramal®; im Rahmen der Schmerztherapie entwickeln sich in der Regel jedoch keine Abhängigkeiten).

Opiate führen zu einer starken psychischen und körperlichen Abhängigkeit, die sich besonders beim Heroin sehr schnell entwickeln kann: Schon zwei bis drei Spritzen können abhängig machen!

Opiate werden von Drogenabhängigen meist in die Venen gespritzt, seltener geraucht oder geschnupft. Das Spritzen birgt nicht nur die Gefahr der Infektion mit Hepatitis- oder HI-Viren bei Gebrauch derselben Nadel durch mehrere Drogenabhängige, sondern auch von Vergiftungen, die nicht selten tödlich ausgehen.

Drogensucht durch Tabletten oder Heroin
© Witthaya / Fotolia

Symptome des Opiatkonsums

Heroin führt innerhalb von ca. 15 Minuten zu einem Rauschzustand mit starkem Glücksgefühl, dem Gefühl des Losgelöstseins und einem gesteigerten Selbstbewusstsein. Danach folgt zumeist eine beruhigende Wirkung mit Apathie oder gelegentlich Gereiztheit und schließlich Verlangsamung und Denkstörungen. Überdosierungen (sog. „goldener Schuss“) können über eine Verlangsamung der Atmung und Bewusstlosigkeit zum Tod führen.

Psychische und körperliche Symptome des Opiatentzugs

Opiate führen deutlich schneller als andere Suchtstoffe zur Abhängigkeit, weil sowohl die psychischen als auch die körperlichen Symptome bei Absetzen (Opiatentzug) sehr stark ausgeprägt sind. Entzugssymptome des Opiatentzugs entwickeln sich bereits vier Stunden nach der letzten Einnahme und steigern sich von Stunde zu Stunde. Sie erreichen ihren Höhepunkt nach ca. ein bis zwei Tagen und können sich über ein bis zwei Wochen hinziehen.

  • Psychisch treten mit dem Opiatentzug ein starkes „craving“ (Verlangen nach der Substanz, Suchtdruck), Depressionen, Schlafstörungen, Angst und Unruhe auf.
  • Körperlich besteht die Entzugssymptomatik in Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Zittern, Schwitzen, Gänsehaut, Muskelschmerzen und Muskelkrämpfen, Pupillenerweiterung, Tränenfluss, Bluthochdruck, Pulsbeschleunigung und Fieber.

Die physischen Entzugssymptome halten meist eine Woche nach dem kompletten und abrupten Absetzen an, die psychischen Symptome (Dysphorie, Suchtdruck) können noch über viele Wochen andauern.

Therapie der Drogensucht nach Opiaten

Ziel der Therapie ist die komplette Suchtmittelfreiheit, was dadurch kompliziert ist, dass die Patienten meistens auch von anderen Drogen oder Alkohol abhängig sind. In der Regel helfen beim Opiatentzug nur Langzeitentwöhnungsbehandlungen von bis zu 6 Monaten, wobei die Langzeiterfolge unter 50 Prozent liegen.

Die Entgiftung bei Opiatabhängigen kann ohne oder mit Medikamentenunterstützung in einem Fachkrankenhaus durchgeführt werden. Wenn eine Abstinenz aus verschiedenen Gründen nicht erreichbar ist, kann eine Substitutionsbehandlung mit Opiaten wie z.B. Methadon durchgeführt werden.

Hauptziele der Substitutionstherapie sind die Entkriminalisierung des Abhängigen durch Minderung der Beschaffungskriminalität, die Distanzierung von der Drogenszene, die Verbesserung der psychischen und körperlichen Gesundheit (einschließlich Senkung des AIDS-Infektionsrisikos) und die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess.

Im Idealfall wird versucht, nach erfolgter Stabilisierung über eine langsame Dosisreduktion die vollständige Drogenfreiheit zu erreichen.

Drogensucht bei Cannabinoiden

Cannabis (Haschisch, Marihuana; Hauptwirkstoff Tetrahydrocannabinol oder THC) wird meist geraucht („kiffen“) oder gegessen. 1994 rauchten ca. 17 Prozent der Männer und ca. 9 Prozent der Frauen Cannabis, davon etwa ein Fünftel fast täglich, zwei Drittel höchstens einmal pro Jahr.

Beim Rauchen tritt bereits innerhalb einer Minute ein Rauschzustand mit

  • Glücksgefühl,
  • Losgelöstsein,
  • Veränderung von Raum- und Zeiterleben und
  • Intensitätssteigerung optischer und akustischer Wahrnehmungen

auf.

Der Höhepunkt des Rausches wird nach 20 bis 30 Minuten erreicht und dauert etwa zwei bis drei Stunden. Der Rauscheffekt ist von Person zu Person sehr unterschiedlich ausgeprägt und hängt auch sehr von der momentanen Stimmungslage, der Erwartung und der Persönlichkeitsstruktur ab.

Cannabis führt zu einer psychischen, wahrscheinlich aber nicht zu einer körperlichen Abhängigkeit. Bei regelmäßiger Einnahme kann sich ein sog. amotivationales Syndrom entwickeln. Dabei entstehen Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie Antriebs- und Planlosigkeit, die den weiteren Drogenkonsum und das Umsteigen auf „harte Drogen“ begünstigen sollen (Einstiegsdroge!).

Drogenabhängigkeit bei Kokain und anderen Stimulantien

Kokain und Amphetamine wie „Speed“, „Ice“ oder „Ecstasy“ führen zu einer starken psychischen, nicht aber körperlichen Abhängigkeit. Sie bewirken eine angenehme Gefühlslage („rush“), die durch

  • einen höheren Grad an Wachheit,
  • Euphorie und Wohlbefinden,
  • eine Unterdrückung von Hunger und Ermüdungsgefühl,
  • eine Leistungs- und Antriebssteigerung,
  • Reizabschirmung und
  • eine Verstärkung des sexuellen Erlebens

gekennzeichnet ist. Dieser „rush“ hält meist nur für Minuten an.

Man weiß heute, dass diese Substanzen vor allem bei regelmäßiger Einnahme sehr schädliche Einflüsse auf Nervenzellen haben. In Einzelfällen kam es zu Todesfällen unter Ecstasy-Einnahme.

Mann mit Tabletten
© Patrick Daxenbichler

Drogensucht bei Halluzinogenen

Die Halluzinogene LSD, Mescalin und Psilocybin bewirken neben anfangs auftretenden vegetativen Reizerscheinungen wie Schwindel, Pulsbeschleunigung und Übelkeit sowie innerer Unruhe in der Rauschphase psychedelische Wirkungen, die innerhalb von Minuten einsetzen. Dabei handelt es sich um Pseudohalluzinationen vor allem auf optischem Gebiet mit

  • szenenhaften Erlebnissen,
  • Farb- und Formhalluzinationen,
  • illusionären Verkennungen und
  • Intensivierung der Wahrnehmungsinhalte.

Ein „Trip“ dauert ca. sechs bis acht Stunden und kann in seiner Endphase („Herunterkommen“) zu starken Depressionen führen, weshalb oft ein Trip „nachgeworfen“ wird. Auf dem Höhepunkt eines Rausches kann es besonders bei Unerfahrenen zu einem „Horrortrip“ mit panischer paranoider Angst, intensiv erlebter Depersonalisation und extremen Wahrnehmungsstörungen kommen, die Grund für suizidale und fremdaggressive Handlungen sein können.

Autor:
Univ.-Prof. Dr. med. Klaus Lieb

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