Manie

Bei der Manie handelt es sich um einen krankhaften psychischen Zustand, der in milden Fällen durch eine anhaltend gehobene Stimmung, gesteigerte Aktivität, gesteigertes Wohlbefinden und ein vermindertes Schlafbedürfnis gekennzeichnet ist. In schweren Fällen treten Symptome wie Selbstüberschätzung, Größenideen, Wahngedanken oder Halluzinationen auf. Behandelt wird eine Manie meist medikamentös mit Stimmungsstabilisatoren oder Neuroleptika.

Definition: Was ist eine Manie?

Der Begriff Manie bezeichnet einen krankhaften psychischen Zustand, der der Depression gerne gegenübergestellt wird und der zumeist im Rahmen einer bipolaren Störung auftritt. Diese wurde früher manisch-depressive Erkrankung genannt und bei den sog. endogenen Psychosen klassifiziert. Monopolare Manien (ohne Depressionen) sind sehr selten, haben dann aber ein hohes Wiedererkrankungsrisiko.

Wesentlich seltener sind maniforme Syndrome im Rahmen von hohem Fieber, Drogenrausch, körperlichen oder hirnorganischen Erkrankungen oder als Medikamentennebenwirkung zu finden.

Historisch geht der Begriff Manie auf Hippokrates im 5. Jahrhundert vor Christus zurück, so dass es sich um eine schon sehr lange bekannte Reaktionsweise handelt. Mania bedeutet lateinisch soviel wie Raserei, Besessenheit, Wahnsinn.

Symptome der Manie

Nach ICD-10 sind Hypomanien (= milde Formen der Manie) gekennzeichnet durch eine anhaltend leicht gehobene Stimmung, eine gesteigerte Aktivität und Antrieb, ein gesteigertes Wohlbefinden, Geselligkeit, Gesprächigkeit sowie ein vermindertes Schlafbedürfnis für einige Tage. Für eine genaue Einordnung der Manie ist oft die Schilderung der Angehörigen, die den Betroffenen gut kennen, hinzuzuziehen, da die individuelle Schwankungsbreite groß ist. Durch das subjektive Wohlbefinden, das im Zustand der Manie oft besteht, lehnen Betroffene eine Behandlung manchmal ab. Künstler beschreiben, im Zustand der Manie oft besondere Kreativität an den Tag zu legen. Es besteht allerdings das Risiko einer Verschlechterung mit dann manchmal gravierenden negativen Folgen.

Manische Phase ohne psychotische Symptome

Eindeutige Manien ohne psychotische Symptome zeigen sich in situationsinadäquat gehobener Stimmung, Überaktivität, hohem Rededrang, schlechtem Zuhören können, vermindertem Schlafbedürfnis, Verlust üblicher sozialer Hemmungen, starker Ablenkbarkeit, Selbstüberschätzung, Expansivität, Größenideen, riskanter Projekte und zum Teil hohen Geldausgaben für wenigstens eine Woche Dauer.

Manische Phase mit psychotischen Symptomen

Manien mit psychotischen Symptomen äußern sich zusätzlich in grober Selbstüberschätzung, Größenideen wahnhaften Ausmaßes, Ideenflucht, evtl. Verfolgungswahn, Aggressivität/Gewalttätigkeit und ggf. in Wahngedanken oder Halluzinationen.

Folgen einer manischen Phase

In einer schweren Manie haben Betroffene schon Partnerschaften oder Arbeitsverhältnisse unwiederbringlich geschädigt, Ersparnisse durchgebracht, erhebliche Schulden gemacht oder sich und andere durch Risikoverhalten oder im Alkohol- oder Drogenrausch ernsthaft gefährdet. In sog. gemischten manisch-depressiven Episoden können zudem auch kurzzeitig suizidale Impulse auftreten, die bei allgemein herabgesetzter Hemmung rasch in suizidale Handlungen münden.

Manie mit fehlender Krankheitseinsicht

Besonders problematisch ist das Krankheitsbild der Manie, wenn es mit fehlender Krankheitseinsicht einhergeht. Betroffene sind dann oft schon für den Laien als krank erkennbar, suchen aber keine Hilfe auf oder lehnen die angebotene Hilfe vehement ab. Erst bei akuter Eigen- oder Fremdgefährdung können Betroffene auch gegen ihren Willen einer Behandlung in der Psychiatrie zugeführt werden. Zuständig für die Feststellung sind – je nach Kreis und Bundesland unterschiedlich organisiert – die Ordnungsämter, Gesundheitsämter und die Polizei. Eine Unterbringung für mehr als 24 Stunden Dauer bedarf einer richterlichen Zustimmung.

Therapie der Manie

Manische Episoden werden in den meisten Fällen medikamentös mit Stimmungsstabilisatoren (Lithium, Valproat) oder mit Neuroleptika behandelt. Man empfiehlt bei Vorliegen einer Manie unterstützend eine reizarme Umgebung und regelmäßige (fach-)ärztliche Kontakte. Wichtig ist, dass auch nach Abklingen der akuten Erkrankungsphasen eine sog. medikamentöse Erhaltungstherapie und Rückfallprophylaxe praktiziert wird, da die Rückfallgefahr in den Monaten nach einer manischen Phase sehr hoch ist. Das Ausschleichen des Stimmungsstabilisators sollte frühestens nach einem Jahr manchmal auch erst deutlich später erfolgen.

Ein manischer Patient sollte auf jeden Fall in ambulanter fachärztlicher Behandlung sein. Diese bekommt man beim niedergelassenen Psychiater oder Nervenarzt in der Praxis oder in psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA). Reicht diese in akuten Krankheitsphasen nicht aus, kommen eine tagesklinische oder vollstationäre Behandlung in der Psychiatrie in Betracht. Hat man in stabileren Phasen Probleme mit der Krankheitsakzeptanz, Informationsbedarf oder eine berufliche Fragestellung, kann auch eine medizinische Rehabilitation in einer darauf spezialisierten Fachklinik hilfreich sein.

Bei Geschäftsunfähigkeit im Rahmen einer nachgewiesenen Manie können manchmal Anschaffungen zurückgegeben oder Kaufverträge rückgängig gemacht werden.

Autor:
Dr. med. Markus Schmidt

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