Medikamentensucht

Bei einer Medikamentensucht liegt eine sowohl körperliche als auch psychische Abhängigkeit von bestimmten Medikamenten vor, die oft schleichend entsteht.

Bei welchen Mitteln kann eine Medikamentensucht auftreten?

Zu den Medikamenten, die am häufigsten abhängig machen, gehören die Benzodiazepine (z.B. Valium®, Tavor®, Tafil®), die als Beruhigungsmittel eingesetzt werden sowie verschiedene Schmerzmittel (z.B. Thomapyrin ®, Spalt®, Vivimed®). Diese Medikamente werden häufig zunächst vom Arzt zur Behandlung z.B. von Angstsymptomen, Schlafstörungen oder Schmerzen verabreicht und führen dann später erst zu einer Medikamentenabhängigkeit.

Wie entsteht eine Medikamentensucht

Die Patienten kommen von den Medikamenten im weiteren Verlauf nicht mehr los, weil sie entweder die Tablettenzahl immer mehr erhöhen müssen, um den erwünschten Effekt zu erreichen, oder beim Absetzen Entzugssymptome auftreten bzw. sich z.B. Angstsymptome oder Schlafstörungen wieder verschlechtern.

Daher ist es immer wichtig, diese Medikamente nur zeitlich begrenzt einzunehmen (max. 6 Wochen). Auch sollten zur Behandlung von Ängsten, Schlafstörungen, Depressionen möglichst andere Medikamente eingesetzt werden, die nicht abhängig machen (z.B. Antidepressiva, Neuroleptika, pflanzliche Stoffe).

Medikamentenabhängigkeit von Benzodiazepinen

In Deutschland schätzt man, dass ca. 1,2 Millionen Menschen von Benzodiazepinen abhängig ist. Wenn eine Medikamentensucht nach Benzodiazepinen besteht, kann es bei Absetzen zu psychischen und körperlichen Entzugssymptomen kommen, die von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Symptome des Entzugs von Benzodiazepinen

  • Psychische Entzugssymptome: Angstzustände, Unruhe, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und depressive Verstimmung. Bei schweren Entzugssymptomen kann es auch zu einem Delir mit Verwirrtheit und psychotischem Erleben (z.B. Wahnerleben und Halluzinationen) kommen.
  • Körperliche Symptome: Blutdruck- und Pulserhöhung, Zittern und Schweißausbrüche, Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Bei schweren Entzugssyndromen können auch epileptische Anfälle auftreten.

Therapie der Medikamentenabhängigkeit von Benzodiazepinen

Daher ist es wichtig, Benzodiazepine immer in enger Absprache mit dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie schrittweise, d.h. langsam über Wochen abzusetzen, um Entzugssymptome zu verhindern oder zumindest erträglicher zu machen. Oft ist zur Behandlung der Medikamentenabhängigkeit von Benzodiazepinen eine stationäre Behandlung notwendig.

Autor:
Univ.-Prof. Dr. med. Klaus Lieb

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