Stress und Erschöpfung

Stress ist eine normale Reaktion des menschlichen Körpers. Grundsätzlich kann jede Situation Stress auslösen. Der Körper schüttet dann Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus, die uns kurzzeitig zu körperlichen und geistigen Höchstleistungen befähigen. Ist der Stress allerdings ein ständiger Begleiter, dann kann er schnell zu einem ernsthaften Problem werden.

Was versteht man unter Stress und Erschöpfung?

Im alltäglichen Leben sind wir vielen Reizen aus der Umwelt ausgesetzt. Physische Reize wie Kälte, Lärm und Hitze, toxische Einflüsse wie eine Reizüberflutung durch starke Gerüche und psychische Belastungen wie Angst, hohe eigene Erwartungen oder Zeitdruck sind sogenannte Stressoren, die eine Reaktion unseres Körpers hervorrufen: den Stress. Unser Körper schüttet als Antwort auf diese Reizüberflutung Stresshormone aus, die im Gehirn und in den Muskeln jede Menge Energien freisetzen. Dadurch wird der menschliche Körper zu Höchstleistungen angetrieben, um den Stressoren standzuhalten und die Belastungen besser zu ertragen.

Ursachen für Stress und Erschöpfung

Die WHO hat Stress und Erschöpfung zur größten Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts erklärt. In der heutigen Zeit gibt es viele Einflüsse, die sich nicht nur auf einen Erwachsenen, sondern auch schon auf Kinder auswirken: zu viel Arbeit, hohe Anforderungen, Streit, Lärm oder geringe, menschliche Zuwendung sind nur einige wenige dieser Einflüsse. Jeder Mensch entscheidet für sich selbst, ob einer oder mehrere dieser Reize einen negativen Einfluss auf den Körper haben. Riesige Aktenberge auf dem Schreibtisch können bei einem Menschen Herzrasen und Panikattacken auslösen, während ein anderer eher unbeeindruckt davon bleibt. Das immer wiederkehrende Bewältigen von Hausaufgaben und die Vorbereitung auf Schularbeiten rufen bei einem Schüler Kopf- und Bauchschmerzen hervor während ein anderer eher gelassen mit beidem umgeht.

Daher unterscheidet man im allgemeiner zwischen zwei verschiedenen Arten von Stress: dem positiven Stress (dem Eustress), der den Körper in anstrengenden Lebenssituationen antreibt, und dem negativen Stress (dem Dysstress), der belastend auf den Körper wirkt. Es ist der chronische Dysstress, der sich krankheitsfördernd auf den menschlichen Körper auswirkt. In der heutigen Zeit machen die psychosozialen Stressfaktoren den größten Anteil an Auslösern für Dysstress. Hierunter fallen unter anderem:

  • Tod in der Familie
  • Scheidung oder Trennung
  • Konflikte in der Beziehung
  • Zeitmangel, Termindruck
  • Geldmangel, Armut, Schulden
  • Mobbing am Arbeitsplatz und in der Schule
  • Versagensangst
  • Hohe Ansprüche an sich selbst
  • Soziale Isolation und Vernachlässigung
  • Reizüberflutung

Im letzten Jahrzehnt ist die Zahl der Fehltage von Arbeitnehmern um fast 80 Prozent gestiegen. Grund hierfür sind immer häufiger auftretende psychische Erkrankungen, die vermutlich durch einen hektischen Arbeitsplatz und –ablauf und dem dadurch verbundenen hohen Leistungsdruck bedingt sind. Besonders häufige Stressreaktionen sind Depressionen und das Burnout-Syndrom, ein Zustand von körperlicher und emotionaler Erschöpfung.

Symptome bei Stress und Erschöpfung

Chronischer Stress hat immer negative Auswirkungen auf den menschlichen Körper, die man am Anfang allerdings nicht immer sofort wahrnimmt. Permanenter hoher Leistungsdruck ohne Ruhephasen und andauernde umweltbedingte Reizüberflutungen können bei jedem Menschen zu unterschiedlichen körperlichen Reaktionen führen. Typische Stressreaktionen sind bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sehr unterschiedlich:

Stress und Erschöpfung bei Erwachsenen

  • Psychische Auswirkungen: Verwirrung, Konzentrationsschwierigkeiten, Halluzinationen, Vergesslichkeit, Depressionen, Müdigkeit, Angst, Hilflosigkeit, Steigerung des aggressiven Verhaltens, Gereiztheit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Geistesabwesenheit, sozialer Rückzug
  • Physische Auswirkungen: Übelkeit, Atemlosigkeit, Muskelschwäche, Magen- und Darmprobleme, zeitbedingte Impotenz, Störungen der Menstruation, Haarausfall, rötliche Augen, schlechtes Hautbild, Herzstechen, Hörsturz, Gelenkschmerzen, Hautausschlag sowie erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt

Stress und Erschöpfung bei Kindern und Jugendlichen

  • Alter von 1 bis 5: Daumenlutschen, Bettnässen, Angst im Dunkeln, Angst vor Tieren, Klammern, Inkontinenz, Verstopfung, Stottern, Appetitlosigkeit
  • Alter von 5 bis 11: Klammern, Aggressivität, Alpträume, Angst im Dunkeln, Angst vor der Schule, Fingernägel kauen, Interesselosigkeit, Konzentrationsmangel, sozialer Rückzug
  • Alter von 11 bis 14: Schlaf- und Essstörungen, schulische Probleme, Aggressivität, Kopfschmerzen, undefinierbare Schmerzen, Hautprobleme, Verdauungsprobleme
  • Alter von 14 bis 18: Psychosomatische Beschwerden, Störungen des Appetits und des Schlafes, Durchfall, Verstopfung, Störungen der Menstruation, Konzentrationsmangel

Ignorieren sollte man keines dieser Alarmsignale, denn negativer Stress bringt eine große Belastung für den menschlichen Körper mit sich, auf die das Immunsystem sehr empfindlich reagiert: viele dauerhaft gestresste Menschen leider immer wieder an verschiedensten Infekten. Wer also nicht rechtzeitig Stress gegensteuert, riskiert ernsthaftere Erkrankungen.

Bewältigung von Stress

Die Bewältigung und Vermeidung von Stress ist das Wichtigste für ihr Wohlbefinden. Was als sehr schwer und unmöglich scheint, kann oftmals allerdings schon durch das Befolgen einfacher Regeln erreicht werden.

  • Tipp 1: Auf den größten Stressauslöser – berufliche oder schulische Anforderungen – haben Sie meistens keinen direkten Einfluss. Sie haben jedoch einen Einfluss darauf, wie Sie mit ihren Aufgaben umgehen und auf diese reagieren. Suggerieren Sie sich ständig, dass heute noch etwas erledigt werden muss und hetzen Sie sich, dann setzen Sie sich selbst unter Druck und ihren Körper unnötig Stress aus. Ertappen Sie sich bei solchen stresserzeugenden Gedanken, dann halten Sie doch einfach einmal kurz inne, holen tief Luft und sagen sich, Ruhe zu bewahren. Solche positiven und stärkenden Zwiegespräche mit sich selbst sind enorm hilfreich für die Bewältigung bzw. Vermeidung von Stress.
  • Tipp 2: Ebenfalls wichtig ist Ihre Einstellung zur Zeit, besonders zu Pausen, Wartezeiten und Verzögerungen. Pausen und Wartezeiten sind nicht einfach eine Zeit des Nicht-Aktiv-Sein. Sie sind wichtig für Sie und Ihr seelisches Wohlbefinden. Betrachten Sie sie deshalb als willkommene Gelegenheiten, Ihren Akku wieder aufladen und kurzzeitig entspannen zu können.

Neben der Ursachenvermeidung für Stress, können Sie natürlich auch auf verschiedene Methoden der Entspannung zurückgreifen. Äußert wirksame Mittel für den täglichen Stressabbau sind regelmäßige, körperliche Bewegung und Sport, aber auch einfache Atem- oder Entspannungsübungen wie Yoga und autogenes Training. Diese zählen alle zur aktiven Entspannung. Nur diese Art der Entspannung ist zu Stressbewältigung geeignet. Die passive Entspannung, wie z. B. das Liegen auf der Couch und das Fernsehen sind nicht zur körperlichen und geistigen Entspannung geeignet. Hilfe bei der Suche nach einem für Sie geeigneten Entspannungsprogramm finden Sie bei ihrem Hausarzt oder auch Ihrer Krankenkasse.

Hilfe aus der Apotheke

Stress selbst lässt sich durch Arzneimittel nicht verhindern oder verringern. Einige Präparate können jedoch dazu beitragen, dass Sie leichter zurück zu ihrem inneren Gleichgewicht finden und sich entspannen können. Sie bestehen vorwiegend aus natürlichen Wirkstoffen und sind deshalb freiverkäuflich im Handel erhältlich. Alle Mittel, die einen Ausgleich bei Stress und Erschöpfung bieten, sind nach den Regeln der anthroposophischen Medizin aufgebaut. Sie sind darauf ausgerichtet, die Selbstheilungskräfte des menschlichen Organismus ganzheitlich anzuregen. Die in ihnen enthaltenen, speziell aufbereiteten Metalle wie Gold und Mineralien (z.B. Ferrum-Quarz) wirken sich deshalb harmonisierend auf den ganzen Körper aus. Verschiedene Zusammensetzungen lindern außerdem Angst- und Unruhezustände, Kopfschmerzen und depressive Verstimmungen. Welche Mittel für Sie die richtigen sind, erklärt Ihnen Ihr Apotheker.

Darüber hinaus verfügen natürliche Heilpflanzen wie Baldrian, Hopfen, Johanniskraut und Melisse über beruhigende, Schlaf fördernde oder stimmungsaufhellende Eigenschaften, die besonders bei leichten Depressionen und Schlafstörungen hilfreich sein. Auch Mittel, die Taigawurzel oder Ginseng enthalten, können eine ausgleichende und harmonisierende Wirkung auf ihren Körper haben. Letztendlich sorgen auch entspannende Teemischungen und warme Bäder mit Heublumen- oder Lavendelzusatz für innerliche Entspannung. Probieren Sie einfach aus, welche diese Heilpflanzen sich positiv für Sie zur Entspannung auswirken.

Wann zum Arzt?

Stehen Sie dauerhaft unter Stress und finden selbst keinen Weg zur Entspannung, sollten Sie an einen Arztbesuch denken, um Folgeerkrankungen zu verhindern. Leiden Sie bereits an stressbedingten Erkrankungen wie Magen- oder Kopfschmerzen, seelischen Verstimmungen oder Schlafstörungen, ist ein Besuch bei Ihrem Hausarzt unumgänglich. Er wird Ihnen bei der Suche nach einem geeigneten Anti-Stress-Programm oder einem Psychotherapeuten behilflich sein.

Was Sie sonst noch gegen Stress tun können

Sie sollten auf einen Ausgleich zu ihrem stressigen Alltag achten, der Ihre Anspannung wieder ausbalanciert. Arbeiten Sie am Tag allein, suchen Sie am Abend die Gesellschaft von Freunden. Sind Sie im Alltag vor allem für andere da, vergessen Sie sich selbst nicht. Greifen Sie auf sogenannte Positiv-Faktoren zurück wie Zuwendung und Aufmerksamkeit, soziale Beziehungen und Freundschaften, regelmäßige körperliche Bewegung und ausgewogene Ernährung, das Ausdrücken (und nicht Unterdrücken!) von Gefühlen wie Freude, Wut und Trauer und ein gesundes Wohn- und Arbeitsumfeld.

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