Klassifikation psychischer Störungen

Das Einteilen von psychischen Störungen in ein Schema ist schwierig. Dies liegt zum einen daran, dass die Entstehung vieler psychischer Störungen bis heute nicht genau geklärt ist, zum anderen kann sich ein und dieselbe psychische Störung bei verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich äußern. Dennoch ist eine Systematik psychischer Störungen nötig, um sich orientieren zu können.

Zwei Systeme zur Unterteilung psychischer Störungen

Nach einer wechselhaften Geschichte der Einteilung psychischer Krankheiten haben sich mittlerweile zwei Systeme etabliert, die einander relativ ähnlich sind, nämlich das „DSM-IV“ (Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen in der 4. Version, in den USA verwendet) und die „ICD-10“ („International Classification of Diseases“ in der 10. Version).

In Deutschland ist die Klassifikation psychischer Störungen nach ICD-10 gebräuchlich und wird daher hier verwendet.

Menschenansammlungen rufen oft Angst hervor
© psdesign1 / Fotolia

Die Hauptgruppen psychischer Störungen nach ICD-10

Die ICD-10 teilt psychische Störungen im Wesentlichen nach ihrer Symptomatik, dem Schweregrad und dem Verlauf ein. Nachfolgend stellen wir die Krankheitsgruppen kurz vor:

F 0: Organische psychische Störungen

Den organischen psychischen Störungen liegt eine definierte körperliche oder eine Hirn-Erkrankung zugrunde. Ein Beispiel ist die Alzheimer-Demenz.

F 1: Suchterkrankungen

Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen: Bei den Suchterkrankungen bestehen psychische, körperliche und/oder soziale Störungen durch den Gebrauch von Medikamenten, Drogen oder Alkohol.

F 2: Schizophrenien und andere psychotische Störungen

Bei den Schizophrenien und anderen psychotischen Störungen stehen abnorme Erlebnisweisen im Vordergrund der Symptomatik, die die Wahrnehmung (z.B. Halluzinationen), das Denken (z.B. Denkzerfahrenheit und Wahnvorstellungen) und das Ich-Erlebnis (z.B. das Gefühl, die Gedanken sind nicht mehr die eigenen, sondern werden von außen eingegeben) betreffen.

F 3: Affektive Störungen

Zu den affektiven Störungen gehören die traurige Verstimmung (Depression) und die euphorisch/gereizte Stimmung (Manie), die sich auch abwechseln können (manisch-depressive oder bipolare Störung).

F 4: Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen

In diese Kategorie gehören Angststörungen die Angststörungen (F 40-41), die Belastungs- und Anpassungsstörungen (F 43), die dissoziativen Störungen bzw. Konversionsstörungen (F 44) und die somatoformen Störungen (F 45):

  • Zu den Angststörungen gehören die Phobien, die panikartig auftretende Angst (Panikstörung) und die generalisierte Angststörung.
  • Unter Belastungs- und Anpassungsstörungen versteht man psychische Reaktionen auf akute oder chronische Stressoren, die über das normal zu erwartende Maß hinausgehen.
  • Bei den dissoziativen Störungen (Konversionsstörungen) kommt es zu einer Desintegration der normalerweise intakten Funktionen des Bewusstseins, Gedächtnisses, des Identitätserlebens oder der Wahrnehmung der Umwelt. Beispiele sind dissoziative Lähmungen oder dissoziative Bewusstseinsstörungen.
  • Die somatoformen Störungen im allgemeinen Sinne bezeichnen körperliche Beschwerden ohne nennbare organische Ursache. Hierzu zählen die Somatisierungsstörungen unter Beteiligung verschiedener Organsysteme, die Hypochondrie sowie die somatoforme Schmerzstörung.

F 5: Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen oder Faktoren

In diese Kategorie gehören psychische Störungen wie die Essstörungen (Anorexie und Bulimie) (F 50), die Schlafstörungen (F 51) und die sexuellen Funktionsstörungen (F 52)

F 6: Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

Bei den Persönlichkeitsstörungen liegen tief verwurzelte, anhaltende und weitgehend zeitüberdauernde Verhaltens- und Erlebnismuster vor, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen manifestieren. Meist gehen diese Störungen mit persönlichem Leiden und gestörter sozialer Funktionsfähigkeit einher.

Neben zahlreichen eher Syndrom-orientierten Unterformen gehören die Borderline-Störung und die narzisstische Störung zu den Persönlichkeitsstörungen.

Ebenfalls in diese Kategorie gehören die sexuellen Identitäts- und Präferenzstörungen (F 64-65).

F 7: Intelligenzminderung

Unter einer Intelligenzminderung versteht man eine stehengebliebene oder unvollständige Entwicklung der geistigen Fähigkeit. Dabei sind insbesondere Fertigkeiten beeinträchtigt, die zum Intelligenzniveau beitragen, wie Kognition, Sprache, motorische und soziale Fähigkeiten.

F 8: Entwicklungsstörungen

Bei Entwicklungsstörungen liegen Störungen des Sprechens oder der Sprache, Störungen schulischer Fertigkeiten oder Störungen der motorischen Fähigkeiten vor. Darüber hinaus gibt es die sogenannten tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, zu denen der Autismus, das Asperger-Syndrom und das Rett-Sydnrom gehören.

F 9: Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen können psychische Störungen auftreten, diese sich jedoch in ihrer Ausprägung und Symptomatik von den Störungen im Erwachsenenalter unterscheiden.

Trauriges Mädchen
© Africa Studio / Fotolia

Typische kinder- und jugendpsychiatrische Störungsbilder, die sich nicht als Störung der Entwicklung bestimmter Fertigkeiten oder Funktionen charakterisieren lassen, sind etwa die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Störungen des Sozialverhaltens.

Psychosomatische Erkrankungen

Psychosomatische Erkrankungen sind körperliche Erkrankungen und Leiden, die sich nicht auf organische Ursachen zurückführen lassen, sondern durch psychische Belastungen hervorgerufen werden. Zu den psychosomatischen Erkrankungen gehören körperliche und seelische Krankheitszustände, die im Regelfall nach den somatischen ICD-10-Kapiteln und den F-Kapiteln 3, 4, 5 und 6 verschlüsselt werden.

Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren
Experten Finden   ▷
nothing