F 64-65: Sexuelle Identitäts- und Präferenzstörungen


Sexuelle Identitäts- und Präferenzstörungen werden der ICD-10-Kategorie der Persönlichkeits– und Verhaltensstörungen zugeordnet. Betroffene einer sexuellen Identitätsstörung haben Probleme, ihr eigenes Geschlecht anzunehmen und auszuleben, während sexuelle Präferenzstörungen auf weit von der Norm abweichende sexuelle Präferenzen betreffen.

Frau mit Fragezeichen auf der Stirn denkt angestrengt nach
© pathdoc / Fotolia

Was sind sexuelle Identitätsstörungen?

Als sexuelle Identitätsstörungen bzw. Störungen der Geschlechtsidentität im engeren Sinne bezeichnet man folgende Störungen:

  • Starke, zeitlich stabile gegengeschlechtliche Identifikation
  • Verlangen bzw. Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören und als Angehöriger des anderen Geschlechtes anerkannt zu werden
  • Gefühle des Unbehagens in bzw. der Nicht-Zugehörigkeit zum eigenen Geschlecht

Diese Störungen der Geschlechtsidentität bezeichnet man als Transsexualismus mit verschiedenen Unterformen. In der ICD-10 ist die Störung folgendermaßen klassifiziert:

  • F 64.0: Transsexualismus
  • F 64.1: Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechtsrollen
  • F 64.2: Störung der Geschlechtsidentität im Kindesalter
  • F 65.8: andere Störungen der Geschlechtsidentität
  • F 65.9: nicht näher bezeichnete Störungen der Geschlechtsidentität

Ursachen für sexuelle Identitätsstörungen

Die Ursache dieser Erkrankungen ist bisher weitgehend unklar. Psychosoziale und soziokulturelle Einflüsse, fehlgelaufene Identifizierungsprozese und Störungen der frühkindlichen sexuellen Entwicklung scheinen mitverursachend zu sein.

Behandlung sexueller Identitätsstörungen

Diese Patienten kommen nur sehr selten in eine Psychotherapie, da ihre Behandlungsmotivation niedrig ist. Sie begehren in der Regel eine geschlechtsumwandelnde Operation. Hierzu erarbeitete die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung Regelungen. Bei einer Psychotherapie kommen psychodynamische wie kognitiv-behaviorale Psychotherapien in Frage. Eine stationäre Psychotherapie ist nur selten indiziert.

Arztsuche

Was sind sexuelle Präferenzstörungen?

Als Störungen der sexuellen Präferenz werden Störungen des sexuellen Verhaltens bezeichnet, die sich primär und bevorzugt sich nicht auf den Orgasmus im heterosexuellen oder homosexuellen Geschlechtsverkehr zwischen Erwachsenen beziehen, sondern auf andere sexuelle und nicht-sexuelle Befriedigungen. Sie werden bezeichnet (in der ICD-10) als sexuelle Präferenzstörung, in DSM IV/TR als Paraphilien, in der Soziologie, Kriminologie als sexuelle Deviation (Abweichung) und in der Psychoanalyse als Perversion.

Harmlose, auf die Phantasie beschränkte oder konsensuelle (gleichsinnige) zwischen Erwachsenen praktizierte Formen finden sich bei beiden Geschlechtern. Strafrechtlich relevante sexuelle Deviation, z.B. pädosexuelle und exhibitionistische Handlungen werden fast ausschließlich von Männern getätigt. Die Störungen der sexuellen Präferenz nach ICD-10 sind:

  • F 65.0: Fetischismus
  • F 65.1: fetischistischer Transvestitismus
  • F 65.2: Exhibitionismus
  • F 65.3: Voyeurismus
  • F 65.4: Pädophilie
  • F 65.5: Sadomasochismus
  • F 65.6: multiple Störungen der Sexualpräferenz
  • F 65.8: andere Störungen der Sexualpräferenz
  • F 65.9: nicht näher bezeichnete Störungen der Sexualpräferenz

Behandlung sexueller Präferenzstörungen

Die sexuellen Präferenzstörungen verlangen in der Regel ein spezielles Therapieprogramm. Zielt ist es, fremdschädigendes Verhalten, mit dem der Patient gleichzeitig auch seine eigene Situation riskiert, unter Kontrolle zu bringen. Entsprechend dem Schlagwort der Straftäterbehandlung ist Kontrolle besser als Behandlung.

Langfristig ist darüber hinaus die Bearbeitung der dem symptomatischen Verhalten zugrunde liegenden Persönlichkeitsproblematik anzustreben. Als Therapieprogramme kommen kognitiv-behaviorale Therapieprogramme und tiefenpsychologisch-analytisch orientierte Psychotherapien in Frage.