F 1: Suchterkrankungen


Suchterkrankungen können sich ganz verschieden äußern: Als Sucht nach Drogen, Alkohol oder Medikamenten, aber auch als Sucht nach Arbeit oder Sexualität. Heute bezeichnet man die Suchterkrankungen auch als Abhängigkeitserkrankungen (z.B. Alkoholabhängigkeit). Die Abhängigkeit kann dabei körperlicher und/oder psychischer Art sein.

Wie werden Suchterkrankungen eingeteilt?

Zu den verschiedenen Formen der Abhängigkeiten durch Suchtstoffe, die unterschieden werden können, gehören:

  • Alkohol
  • Tabak (Nikotinsucht)
  • Opiate (z.B. Heroin, Morphin)
  • Cannabinoide (Marihuana, Haschisch)
  • Beruhigungs- und Schlafmittel wie z.B. Benzodiazepine (Valium® oder Tavor®)
  • Kokain und andere Stimulanzien (Amphetamine, Ecstasy, Speed)
  • Halluzinogene (LSD, Pilze)

Drogensucht durch Tabletten oder Heroin
© Witthaya / Fotolia

Wann besteht eine Abhängigkeit bzw. Suchterkrankung?

Eine Abhängigkeit von einem Suchtstoff besteht dann, wenn mindestens 3 der folgenden 6 Symptome vorliegen:

  • ein sehr starkes Verlangen nach dem Suchtstoff, dem kaum widerstanden werden kann
  • ein Kontrollverlust, d.h. eine verminderte Kontrolle bzgl. des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums (z.B. nicht aufhören können zu trinken, bis man einen starken Rausch hat)
  • Entzugssymptome beim Absetzen des Suchtstoffes (z.B. Unruhe, Zittern, Ängste)
  • Toleranzentwicklung, d.h. eine Steigerung der konsumierten Menge, um die gleichen Effekte zu erreichen
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen (z.B. Familie, Freundeskreis, Arbeit) zugunsten des Suchtstoffes
  • Fortsetzung des Konsums trotz schädlicher Folgen.

Arztsuche

Schädlicher Gebrauch oder Missbrauch einer Substanz liegt vor, wenn die Abhängigkeitskriterien nicht erfüllt sind, der Konsum aber zu körperlichen oder psychischen Problemen führt.

Psychische und körperliche Abhängigkeit

Unter psychischer Abhängigkeit versteht man das starke, unwiderstehliche Verlangen nach der Substanz. Körperliche Abhängigkeit ist der Zustand des Körpers, bei dem gegen die Substanz eine Toleranz eingetreten ist und sie infolgedessen ständig zugeführt werden muss, um das Auftreten von Entzugssymptomen zu verhindern. Das Ausmaß der psychischen und körperlichen Abhängigkeit ist bei den verschiedenen Suchtstoffen unterschiedlich stark ausgeprägt.

Was sind Drogen?

Unter Drogen verstand man früher zunächst pflanzliche Arzneistoffe, später auch alle Arten von synthetischen Medikamenten. Heute nennt man Drogen Stoffe, die eine Wirkung auf das Gehirn haben und daher Abhängigkeit erzeugen können. Oft wird der Begriff Drogen mit illegalen Drogen gleichgesetzt (also z.B. Heroin, Kokain, Amphetamine) und von Alkohol und Tabak als „legale Drogen“ abgegrenzt.

Wie häufig sind Suchterkrankungen?

In Deutschland gehören Suchterkrankungen zu den häufigsten psychischen Störungen. Innerhalb der Suchterkrankungen dominieren dabei deutlich die Störungen durch Alkohol, die insgesamt etwa sechsmal häufiger sind als alle anderen drogenbedingten Störungen.

Die prozentuale Häufigkeit verschiedener Abhängigkeitserkrankungen lässt sich wie folgt angeben: Alkohol 70 Prozent, Mehrfachabhängigkeit (Polytoxikomanie) 20 Prozent, Medikamente 5 Prozent und Drogen 5 Prozent. Für Deutschland gelten etwa folgende Zahlen:

  • Rund 7,8 Millionen Deutsche haben einen riskanten Alkoholkonsum (16 Prozent), 2,4 Millionen (4 Prozent) zeigen einen Alkoholmissbrauch und ca. 1,5 Millionen (3 Prozent) sind alkoholabhängig
  • 2 Millionen Menschen in Deutschland konsumieren Cannabis
  • 1,5 Millionen Deutsche sind medikamentenabhängig, davon ca. 1,2 Millionen von Beruhigungsmitteln (Benzodiazepinen)
  • 1 Million Deutsche konsumieren häufig Amphetamine wie z.B. Ecstasy, letzteres mit steigender Tendenz – Ungefähr 150.000 Menschen in Deutschland konsumieren Heroin

Mann mit Tabletten
© Patrick Daxenbichler

Wie entstehen Suchterkrankungen?

Beim Entstehen von Abhängigkeit spielen verschiedene Faktoren zusammen. Zu diesen Faktoren gehören:

  • Genetische Faktoren (Erbfaktoren): Wenn die Eltern oder andere Verwandte abhängig sind, erhöht sich auch das Risiko, selbst abhängig zu werden, auch wenn man nicht in deren unmittelbarer Umgebung aufwächst.
  • Verhaltens- und Lernfaktoren: Wer in einem Umfeld mit abhängigen Personen aufwächst oder lebt, hat ein erhöhtes Risiko, selbst abhängig zu werden.
  • Soziale Faktoren: Der gesellschaftliche Zwang (z.B. mittrinken oder mitrauchen) kann Abhängigkeitsentwicklungen fördern.
  • Gleichzeitiges Bestehen anderer psychischer Erkrankungen (v.a. Angsterkrankungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen): Wer an einer anderen psychischen oder körperlichen Erkrankung leidet, hat ein erhöhtes Risiko suchtkrank zu werden, insbesondere wenn zu Beginn der Suchstoff zur Linderung von Symptomen (z.B. Angstzuständen) eingesetzt wird.

Hier wird deutlich, dass die Entwicklung von Abhängigkeitserkrankungen nicht einfach eine Schwäche oder ein Versagen der betroffenen Person ist, sondern die Folge einer langen Entwicklung, aus der der Patient nur mit professioneller Hilfe herausfinden kann. Sucht ist eine Krankheit!

Arztsuche

Wie werden Suchterkrankungen behandelt?

Die Therapie von Abhängigkeitserkrankungen verläuft prinzipiell in vier Stufen:

  • Kontaktphase: Hier tritt der Patient erstmals in Kontakt mit professionellen Helfern wie Hausarzt, Facharzt für Psychiatrie, Psychologe, Beratungsstelle o.ä.
  • Entgiftungsphase: Hier erfolgt die Entgiftung vom Suchtstoff in einem Psychiatrischen oder Internistischen Krankenhaus (Dauer ca. 1 bis 3 Wochen).
  • Entwöhnungsphase: Hier erfolgt die Entwöhnung vom Suchtstoff in speziellen Fachkliniken für Suchtkranke (Dauer: ca. 2 bis 4 Monate).
  • Nachsorgephase: Hier wird versucht, den Erfolg der Entgiftungs- und Entwöhnungsphase aufrechtzuerhalten. Wichtig sind hier der Hausarzt und Facharzt für Psychiatrie, Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen (Dauer: lebenslang).

Ziel jeder Therapie ist der völlige Verzicht auf den Suchtstoff. Bei Durchlaufen aller Phasen ist die Aussicht am höchsten, dauerhaft ohne Suchtmittel leben zu können. Erster Ansprechpartner ist immer der Hausarzt, der den Kontakt zu den entsprechenden Therapieeinrichtungen und Beratungsstellen schnell herstellen kann.