Psychopharmaka


Mit dem Begriff Psychopharmaka bezeichnet man Medikamente, die als Hauptwirkung einen Effekt auf das Gehirn ausüben und die daher zur Behandlung psychischer Erkrankungen eingesetzt werden. Die wichtigsten Gruppen von Psychopharmaka sind:

  • Antidepressiva: Medikamente v.a. zur Behandlung von Depressionen, aber auch zur Behandlung von Angststörungen, Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Schlafstörungen, Suchterkrankungen und chronischen Schmerzen
  • Stimmungsstabilisierer (Phasenprophylaktika): Medikamente v.a. zur vorbeugenden Behandlung von phasenhaft verlaufenden affektiven Störungen, v.a. bipolaren, d.h. manisch-depressiven Erkrankungen
  • Neuroleptika (Antipsychotika): Medikamente zur Behandlung von schizophrenen und anderen Psychosen
  • Anxiolytika und Hypnotika: Medikamente u.a. zur Behandlung von Angst- und Unruhezuständen sowie von Schlafstörungen
  • Antidementiva: Medikamente zur Behandlung von Demenzen
  • Alkoholentwöhnungsmittel: Psychopharmaka zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit

Mann mit Tabletten
© Patrick Daxenbichler

Antidepressiva

Antidepressiva wurden früher auch als Thymoleptika bezeichnet. Es handelt sich um Psychopharmaka, die stimmungsaufhellend und je nach Medikament antriebssteigernd oder müdemachend wirken. Antidepressiva machen nicht abhängig!

Sie werden zur Behandlung aller Arten von Depressionen eingesetzt. Bei leichten und mittelschweren Depressionen kann auch eine alleinige Psychotherapie ausreichend sein, die aber länger bis zum Wirkeintritt braucht. Pflanzliche Medikamente wie Johanniskraut sollten nur bei leichten Depressionen eingesetzt werden. Bei schweren Depressionen darf auf eine medikamentöse Therapie mit Psychopharmaka nicht verzichtet werden!

Bis zum Ansprechen auf eine antidepressive Medikation kann es bis zu sechs Wochen dauern, erste stimmungsaufhellende Effekte sind in der Regel frühestens nach 7 bis 10 Tagen zu erwarten. Bei ca. 70 Prozent der Patienten kommt es nach 3 bis 6-wöchiger Therapiedauer zu einem Verschwinden der Depression. Umstellungsversuche auf andere Mittel sind erst nach 4 bis 6 Wochen erfolgloser Therapie in ausreichend hoher Dosierung zu erwägen.

Die Wirkmechanismen der Antidepressiva wurden intensiv untersucht, ohne dass man ihre Wirkung bisher genau versteht. Alle Antidepressiva führen zu einer Beeinflussung v.a. der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin und darüber letztendlich zu einer Veränderung von Regelkreisen im Gehirn, die zur Aufhebung der Depression führen.

Welche Antidepressiva gibt es?

Die erste antidepressiv wirksame Substanz war das 1957 per Zufall entdeckte Imipramin, das auch heute noch unter dem Namen Tofranil® auf dem Markt ist. Etwa zur gleichen Zeit wurden auch antidepressive Eigenschaften des in der Tuberkulose-Behandlung eingesetzten Monoaminooxidase-Hemmers Iproniazid beschrieben. Basierend auf diesen Substanzen wurden in der Folgezeit weitere tri- und tetrazyklische Antidepressiva und Monoaminooxidase-Hemmer entwickelt.

In den 1980er Jahren wurden die sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs) entwickelt, die selektiv die Serotonin-Wiederaufnahme hemmen. Bei gleicher Wirksamkeit sind sie im Regelfall besser verträglich als die trizyklischen Antidepressiva, die über eine Bindung an verschiedene weitere Rezeptoren eine Vielzahl von Nebenwirkungen entfalten. Später folgten dann weitere Neuentwicklungen wie die dualen Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, die alpha2-Antagonisten und die selektiven Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer.

Je nach ihrem eher antriebssteigernden oder müdemachenden Wirkprofil können die Antidepressiva auch in folgende Gruppen eingeteilt werden:

  • Eher müde machende Antidepressiva: z.B. Amitriptylin, Doxepin, Trimipramin, Mianserin, Mirtazapin
  • Eher antriebssteigernde Antidepressiva: Nortriptylin, alle SSRIs, Reboxetin, Venlafaxin, Monoaminooxidase-Hemmer

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Welche Nebenwirkungen können bei Antidepressiva auftreten?

Neben den erwünschten antidepressiven Wirkungen zeigen Antidepressiva auch unterschiedlich stark ausgeprägte Nebenwirkungen, die insbesondere in den ersten 2 Wochen der Therapie auftreten und dann häufig verschwinden. Da in dieser Zeit oft noch keine Stimmungsaufhellung eingetreten ist, fordert das Geduld!

Wichtig ist es, in dieser Phase die Medikamente wenn irgend möglich nicht abzusetzen, um ihrer Wirksamkeit eine Chance zu geben. Die Nebenwirkungen der einzelnen Medikamente lassen sich aus der Beeinflussung von Botenstoffen und deren Bindungsstellen direkt ableiten:

  • Anticholinerge Nebenwirkungen (v.a. tri- und tetrazyklische Antidepressiva): Mundtrockenheit, Verstopfung, Beschwerden beim Wasserlassen, Pulsbeschleunigung, Verschwommen sehen beim Lesen
  • Antiadrenerge Nebenwirkungen (v.a. tri- und tetrazyklische Antidepressiva und Edronax®): Niedriger Blutdruck und Kreislaufregulationsstörungen (Schwarzwerden vor den Augen), Herzstolpern, Schwitzen
  • Serotonerge Nebenwirkungen (v.a. bestimmte trizyklische Antidepressiva, SSRIs und Trevilor®): Übelkeit bis hin zum Erbrechen, Unruhe mit Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen
  • Antihistaminerge Nebenwirkungen (v.a. bestimmte trizyklische Antidepressiva und Tolvin® und Remergil®): Müdigkeit, Gewichtszunahme
  • Andere Nebenwirkungen: z.B. Überleitungsstörungen am Herzen mit der Folge von Herzrhythmusstörungen, Muskelzuckungen, allergische Ausschläge, Veränderungen des weißen Blutbildes

Aufgrund der Nebenwirkungen sind bei einer Antidepressivatherapie immer in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen erforderlich, die Blutuntersuchungen, EKG und EEG umfassen. Über Einzelheiten der Therapie und der Kontrolluntersuchungen informiert Sie ihr Arzt genau.

Stimmungsstabilisierer

Stimmungsstabilisierer oder Phasenprophylaktika sind Psychopharmaka, die zur Stabilisierung depressiver und/oder manischer Stimmungsschwankungen im Rahmen affektiver und schizoaffektiver Störungen eingesetzt werden, die also Rückfälle verhindern sollen. Bis auf Lamotrigin werden Stimmungsstabilisierer auch zur Akuttherapie bestimmter Formen manisch-depressiver (bipolarer) Störungen eingesetzt.

Welche Stimmungsstabilisierer gibt es und wo werden sie eingesetzt?

Im klinischen Gebrauch sind gegenwärtig folgende Stimmungsstabilisierer:

  • Lithium (z.B. Quilonum®, Hypnorex®): Rezidivprophylaxe (Vorbeugung) von wiederkehrenden Depressionen und Manien und Depressionen bei bipolaren Störungen; Akuttherapie euphorischer Manien
  • Valproinsäure (z.B. Orfiril®, Ergenyl®): Akuttherapie von Manien und Vorbeugung manischer Phasen bei bipolaren Störungen, Therapie des Rapid cycling
  • Carbamazepin (z.B. Tegretal®, Timonil®): Akuttherapie dysphorischer/gereizter Manien, Therapie des Rapid cycling
  • Lamotrigin (z.B. Elmendos®): Rezidivprohphylaxe von Depressionen im Rahmen bipolarer Störungen

Welche Nebenwirkungen können bei Stimmungsstabilisierern auftreten?

Lithium (z.B. Quilonum® oder Hypnorex®)

Lithium ist ein Salz, das seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt wird. Es wird so dosiert, dass der Blutspiegel in der Regel zwischen 0,6 und 0,8 mmol/l liegt. Es sind regelmäßige Blutspiegelkontrollen notwendig, da bei niedrigeren Werten die rückfallverhütende Wirkung aufgehoben ist und bei höheren Spiegeln verstärkt Nebenwirkungen auftreten. Zu diesen gehören v.a. Zittern (Tremor) der Hände, verstärktes Wasserlassen, Gewichtszunahme, Magen-Darm-Probleme und Schilddrüsenfunktionsstörungen.

Zu beachten ist auch, dass verschiedene gleichzeitig gegebene Medikamente zu einer Erhöhung der Blutspiegel bis hin zur Vergiftung führen können. Daher sollten die Patienten jeden Arzt auf die Einnahme von Lithium hinweisen und andere Medikamente nur in Absprache mit dem Arzt einnehmen. Die Akutwirkung von Lithium in der Behandlung von Manien setzt oft schon innerhalb weniger Tage ein, während die rückfallverhütende Wirkung oft erst nach Monaten einsetzt.

Valproinsäure (z.B. Ergenyl® oder Orfiril®)

Valproinsäure ist ursprünglich ein Mittel gegen Anfallsleiden (Epilepsie), das aber auch bei manisch-depressiven (bipolaren) Erkrankungen wirksam ist. Es wird so dosiert, dass Blutspiegel von 50 bis 125 µg/ml erreicht werden. Insgesamt wird Valproinsäure gut vertragen. Die wichtigsten Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Erhöhung der Leberwerte, vorübergehender Haarausfall und Gewichtszunahme.

Carbamazepin (z.B. Tegretal® oder Timonil®)

Carbamazepin ist ebenso ein Mittel gegen Anfallsleiden und wird insbesondere eingesetzt, wenn Lithium nicht wirksam ist oder nicht vertragen wird. Auch dieses Medikament wird nach Blutspiegel eingestellt (6 bis 12µg/ml). Die wichtigsten (meist vorübergehenden) Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Schwindel, Gangunsicherheit, Hautausschläge, Leberwerterhöhungen und Störungen des weißen Blutbildes.

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Lamotrigin (z.B. Elmendos®)

Lamotrigin muss zur Vermeidung gefährlicher Haut- und Schleimhautreaktionen sehr langsam aufdosiert werden. In den ersten beiden Wochen müssen 25 mg pro Tag, dann für weitere zwei Wochen 50 mg gegeben werden und anschließend erfolgt eine Steigerung um 50 bis 100 mg alle zwei Wochen. Bei Gabe bestimmter anderer Medikamente muss die Dosis evtl. angepasst werden.

Neuroleptika (Antipsychotika)

Neuroleptika wirken dämpfend auf Erregungszustände, aggressives Verhalten sowie psychotisches Erleben wie Sinnestäuschungen, Wahndenken und Ich-Störungen. Diese Psychopharmaka werden daher auch als Antipsychotika bezeichnet. Starke Neuroleptika werden v.a. in der Behandlung von Schizophrenien und anderen psychotischen Störungen eingesetzt, wo sie in 75 Prozent der Fälle zu einer guten Besserung der Psychose führen. Die schwachen, müdemachenden Neuroleptika werden auch bei Unruhe, Erregungszuständen und Schlafstörungen eingesetzt.

Der Wirkmechanismus von Neuroleptika ist bislang nicht vollkommen klar. Sie blockieren Bindungsstellen (Rezeptoren) von Hirnbotenstoffen wie Dopamin, was eine ganze Reihe von Folgereaktionen mit sich bringt, die dann zu der antipsychotischen Wirkung führen. Neuroleptika machen nicht abhängig!

Welche Neuroleptika gibt es?

Man unterscheidet starke und schwache Neuroleptika und unterteilt die Gruppe der starken Neuroleptika weiter in klassische und atypische Neuroleptika.

Starke Neuroleptika

Die klassischen Neuroleptika sind schon seit Jahrzehnten auf dem Markt und sicher in der Anwendung. Sie haben eine gute antipsychotische Wirksamkeit und können meist sowohl als Tabletten als auch über den Muskel verabreicht werden. Sie entfalten jedoch häufig motorische Nebenwirkungen.

Zu den atypischen Neuroleptika gehören Solian®, Abilify®, Leponex®, Zyprexa ®, Seroquel®, Risperdal® und Zeldox®. Da sie kaum oder keine motorischen Nebenwirkungen entfalten, werden sie als „atypisch“ bezeichnet. Da sie meist besser verträglich sind als die klassischen Neuroleptika werden sie heute zunehmend auch zur Erstbehandlung akuter Schizophrenien eingesetzt.

Zwischen den einzelnen Substanzen gibt es im Wesentlichen keine Wirksamkeitsunterschiede, weshalb die Wahl des Medikaments nach Kriterien wie Wirksamkeit bei früherer Behandlung oder Nebenwirkungsprofil erfolgt. Lediglich für das atypische Neuroleptikum Clozapin (Leponex®) konnte eine überlegene Wirksamkeit bei Schizophrenien nachgewiesen werden, die nicht auf andere Neuroleptika ansprechen. Neuroleptika sollten für mindestens 4 bis 6 Wochen in ausreichender Dosis verabreicht werden, bevor eine Umstellung auf ein anderes Präparat wegen Nichtanspechens erwogen wird.

Schwache Neuroleptika

Die schwachen Neuroleptika werden zur Behandlung von Unruhezuständen und Schlafstörungen bei verschiedensten Erkrankungen eingesetzt. Zur Behandlung der Schizophrenien werden sie häufig mit starken Neuroleptika kombiniert. Beispielsubstanzen sind Eunerpan®, Dipiperon® und Atosil®.

Welche Nebenwirkungen können bei Neuroleptika auftreten?

Die wichtigsten Nebenwirkungen der klassischen Neuroleptika sind die motorischen Nebenwirkungen. Dazu gehören sehr schnell einsetzende sogenannte Frühdyskinesien (Zungen-, Mund- und Blickkrämpfe, ca. 20 Prozent), die Bewegungsunruhe (Nicht-stillsitzen-Können oder Akathisie, ca. 30 Prozent), das Parkinsonoid (Muskelsteifigkeit und Zittern der Hände, ca. 20 Prozent) sowie bei chronischer Gabe nach Monaten bis Jahren als Spätfolge einsetzende Spätdyskinesien (z.B. Rollen der Zunge, Grimassieren etc., ca. 20 Prozent).

Aber auch die atypischen Neuroleptika entfalten Nebenwirkungen, auch wenn die motorischen Nebenwirkungen viel geringer sind oder gar nicht auftreten. Zu den wichtigsten Nebenwirkungen gehören Müdigkeit (z.B. Zyprexa®, Seroquel®), Gewichtszunahme (v.a. Zyprexa® und Leponex®), Störungen der Überleitung am Herzen (z.B. Zeldox®), Milchfluss und sexuelle Funktionsstörungen (z.B. Solian®) und nicht selten Blutbildveränderungen (v.a. Leponex®). Daher sind regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen erforderlich. Bei Leponex® muss in den ersten 18 Wochen ein Blutbild angefertigt werden, da es in seltenen Fällen zu starken Absenkungen der weißen Blutkörperchen führen kann.

Die schwachen Neuroleptika zeichnen sich insgesamt durch eine sehr gute Verträglichkeit aus.

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Anxiolytika und Hypnotika

Was sind Anxiolytika und Hypnotika?

Als Anxiolytika bezeichnet man Psychopharmaka, die angst- und spannungslösend wirken. Als Hypnotika (Schlafmittel) bezeichnet man dagegen alle Psychopharmaka, die Schlaf erzeugen. Früher hat man diese Psychopharmaka auch als Sedativa oder Tranquilizer bezeichnet.

Die wichtigste Medikamentengruppe der Anxiolytika und Hypnotika sind die Benzodiazepine, die v.a. wegen ihres hohen Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzials problematisch in der Anwendung sind.

Welche Anxiolytika und Hypnotika gibt es und wie wirken sie?

Die wichtigsten Medikamentengruppen sind:

Benzodiazepine

Dazu gehören z.B. Lorazepam (Tavor®), Diazepam (Valium®), Alprazolam (Tafil®) und Oxazepam (Adumbran®). Sie wirken angstlösend und affektiv entspannend sowie müdemachend (sedierend) und schlafanbahnend (hypnotisch). Darüber hinaus wirken sie muskellockernd, weshalb sie z.B. als Musaril® auch bei starken Muskelverspannungen und Spastiken eingesetzt werden. Wegen ihrer Wirksamkeit gegen Krampfanfälle werden sie in der Neurologie auch als Antiepileptika eingesetzt. In der Psychiatrie und Psychotherapie werden Benzodiazepine zur Akutbehandlung von Angst-/Panikattacken, bei schweren Depressionen mit Ängsten und Unruhezuständen, bei schweren Angst- und Erregungszuständen im Rahmen einer Schizophrenie oder Manie und zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt.

Wegen der hohen Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung dürfen diese Medikamente nur kurzfristig eingesetzt werden (Regelbehandlungsdauer maximal 6 Wochen). Allerdings werden sie immer noch recht unkritisch verschrieben, auch wenn z.B. bei Schlafstörungen Psychotherapie oder nicht-abhängig-machende Medikamente wie müdemachende Antidepressiva (z.B. Stangyl® oder Aponal®) oder schwache Neuroleptika (z.B. Atosil® oder Eunerpan®) eine gute Wirksamkeit zeigen. Weitere Nebenwirkungen sind Konzentrationsstörungen und Verlangsamung der Reaktionszeit, weshalb die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt ist!

Nicht-Benzodiazepine

Zu diesen rein als Schlafmittel eingesetzten Medikamenten gehören Ximovan® (Einsatz wegen relativ langer Wirkdauer bei Ein- und Durchschlafstörungen), Stilnox® und Bikalm® (Einsatz wegen kürzerer Wirkdauer bei Einschlafstörungen) und Sonata® (wegen sehr kurzer Wirkdauer auch noch bei nächtlichem Aufwachen einnehmbar). Diese Medikamente führen insgesamt seltener zu einer Abhängigkeitsentwicklung. Sie sind in der Regel sehr gut verträglich, sollten aber auch immer nur vorübergehend eingenommen werden.

Andere Anxiolytika und Hypnotika

ß-Blocker werden v.a. bei Ängsten eingesetzt, die mit ausgeprägten körperlichen Symptomen einhergehen oder die situationsabhängig sind, z.B. Examensangst oder Lampenfieber (Dosierung: z.B. 10 bis 120 mg Propranolol (Dociton®)). Eine Abhängigkeitsentwicklung ist nicht zu befürchten. Zur Behandlung von Angststörungen werden auch Antidepressiva (v.a. die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) eingesetzt. In der Behandlung von Schlafstörungen gelingt es häufig, gerade bei leicht ausgeprägten Schlafstörungen mit Verhaltensänderungen und pflanzlichen Präparaten (Hopfen- und Baldrianpräparate) auszukommen.

Frau liegt wach im Bett
© Photographee.eu / Fotolia

Zu den frei im Handel erhältlichen Hypnotika gehören auch bestimmte Antihistaminika wie z.B. Diphenhydramin (Dolestan®, Emesan ®, Vivinox®) oder Doxylamin (Gittalun®, Sedaplus®). Deren schlafinduzierende Wirkung ist gegenüber den eigentlichen Hypnotika relativ gering und sie sind deshalb bei leichten Schlafstörungen indiziert. Als Einschlafmittel kann auch das Chloralhydrat (Chloraldurat®) eingesetzt werden. Die schlaffördernde Wirkung setzt bei einer Dosis von 0,5 bis 2 g ein und hält etwa 5 Stunden an. Nach regelmäßiger Einnahme setzt bald ein Wirkungsverlust ein. Patienten mit Erkrankungen von Magen/Darm, Leber oder Herz dürfen Chloralhydrat nicht einnehmen. Abhängigkeitsentwicklungen können auftreten.

Antidementiva

Was sind Antidementiva?

Antidementiva sind verschiedenartige Psychopharmaka, die zu einer Verbesserung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit im Rahmen organischer psychischer Störungen, v.a. Demenzen, eingesetzt werden.

Welche Antidementiva gibt es?

In der Gruppe der Antidementiva unterscheidet man drei Gruppen von Substanzen:

  • Acetylcholinesterase-Hemmer
  • Glutamatmodulatoren
  • andere Nootropika

Welche Nebenwirkungen können bei Antidementiva auftreten?

Zu den Acetylcholinesterase-Hemmern gehören Aricept®, Exelon® und Reminyl®, die zur Behandlung der leichten und mittelschweren Alzheimer-Demenz eingesetzt werden. An wesentlichen Nebenwirkungen treten zu Beginn meist nur Durchfall, Übelkeit und Erbrechen sowie Muskelkrämpfe auf. Gelegentlich, besonders bei gleichzeitiger Gabe von Betablockern, kann es zu Herzschlagverlangsamungen mit Sturzgefahr kommen. Nur unter besonderer Vorsicht sind die Acetylcholinesterase-Hemmer bei schwerem Asthma, bekannten Herzrhythmusstörungen und Prostatavergrößerung einzusetzen.

Zu den Glutamatmodulatoren gehört Memantine (z.B. Ebixa®), das bei mittelschweren und schweren Alzheimer-Demenzen und anderen Demenzen eingesetzt wird. Die Verträglichkeit ist relativ gut, selten wurden Halluzinationen, Verwirrtheit, Schwindel, Kopfschmerzen oder Müdigkeit beobachtet.

Zu den Nootropika rechnet man verschiedene Substanzen wie Ginkgopräparate (z.B. Tebonin®), Piracetam (z.B. Nootrop®), Nicergolin (z.B. Sermion®) oder Vitamin E, die kaum Nebenwirkungen haben. Die Wirksamkeit zur Behandlung von Demenzen ist für diese Substanzen nicht sicher gezeigt.

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Alkoholentwöhnungsmittel

Bei den Psychopharmaka zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit unterscheidet man Medikamente, die zur Unterstützung beim Alkoholentzug eingesetzt werden von solchen Medikamenten, die Alkoholrückfälle verhindern sollen.

Beim Alkoholentzug wird in ca. 50 Prozent der Fälle eine medikamentöse Behandlung mit Distraneurin® notwendig. Dieses Medikament darf nur während einer Entgiftungsbehandlung in einer Fachklinik eingesetzt werden.

Als Rückfallverhütendes Medikament ist Campral® auf dem Markt, das täglich eingenommen werden muss und das Verlangen nach Alkohol vermindert. Es sollte immer in Verbindung mit einer psychotherapeutischen Behandlung verabreicht werden.

Autoren:
Univ.-Prof. Dr. med. Klaus Lieb
Dr. Gitta Jacob